Zwetschgenkuchen

Der Weg zum See ist derzeit kein einfacher, wie ich eines Abends etwas entsetzt feststellen musste. Habe ja immer die gemütliche Variante bevorzugt, mit Fahrrad in die S-Bahn und ab raus. Aufgrund von Bauarbeiten ist das gerade nicht so gut zu bewerkstelligen, es funktioniert aber man benötigt mehr Zeit. Kurzerhand habe ich mich ans Ufer vom Park gesetzt, mit einem schönen Blick auf die Halbinsel und umhersprudelnde Gedanken was ich denn als nächstes backen könnte.
Es gibt unzählige Rezepte die ich ausprobieren möchte und da zu einer Entscheidung zu kommen, schwierig. Sich von jemanden Rat zu holen was man backen könnte, wäre auf jeden Fall schön. Denn ein Rezept klingt besser, verheißungsvoller und leckerer als das andere. Wo fange ich an und wo höre ich auf. Alles auf einmal funktioniert nicht, leider. Mehr Zeit müsste her. Doch würde ich dann tatsächlich mehr backen? Denn draußen zu sein ist nicht minder verlockender. Eine zauberhafte kleine Backstube im Grünen wäre die ideale Lösung – hat sich mein Kopf gerade zusammengebastelt und träumt schon in Bildern davon, wie so oft. Zu viel Fantasie herrscht dort manchmal vor.
Ein Sommer ohne Zwetschgenkuchen? Undenkbar. Das ist jetzt nicht die bahnbrechende „Idee“ aber eine verdammt gute. Zum Anbeißen sieht er aus, ein Stück habe ich schon gegessen und ein zweites wird es auch noch geben, ich kenn mich doch. Und während ich dieses esse, kann mich mir überlegen was ich mit den 2 Kilo Tomaten anstelle ich gestern gekauft habe. Zum Glück habe ich nur zwei Arme, wer weiß was ich sonst noch alles vom Markt mit nach Hause bringen würde. Aber wie soll man auch einfach daran vorbeilaufen wenn sich die Tomate derzeit in einer Vielfalt präsentiert, die es schier unmöglich macht da zu widerstehen.

FÜR ZWEI SPRINGFORMEN Ø 26 CM
HEFETEIG
180 ml lauwarme Milch
25 g frisch Hefe
400 g Mehl
50 g brauner Zucker
1 Eigelb
1 Ei
50 g flüssige Butter
1 Prise Salz

STREUSEL
40 g Mehl
20 g kalte Butter
25 g brauner Zucker
800 g Zwetschgen

80 ml Milch und Hefe mit 2 EL Mehl in einer Schüssel glattrühren und 15 Minuten ruhen lassen.
Mehl in eine Schüssel sieben und die Mitte eine Mulde formen. Zucker, Milch, Eigelb, Ei, Butter und Salz in die Mitte geben, das Hefegemisch zufügen und alles zu einem glatten Teig verarbeiten. Schüssel mit einem feuchten Küchentuch abdecken und 45 Minuten gehen lassen.

Backofen auf 180 Grad vorheizen. Für die Streusel alle Zutaten mit den Händen verarbeiten. Zwetschgen waschen, halbieren, entsteinen und nochmals halbieren. Springformen mit Backpapier auslegen, man kann den Teig auch auf einem Blech ausrollen. Teig halbieren und den Boden der Springform damit auslegen, Zwetschgen kreisförmig auf dem Teig anordnen, Streuseln darüber verteilen und im vorgeheizten Ofen 35 Minuten backen.

Form aus dem Ofen nehmen und 10 Minuten ankühlen lassen. Anschließend aus der Form lösen und schon mal ein lauwarmes Stück essen.

Tiroler Marillenkuchen

Der letzte Kuchen ist 49 Tage her, ich habe nachgezählt. Eine Ewigkeit also. Höchste Zeit das Handrührgerät wieder in die Hand zu nehmen und in den unnachahmlichen Duft von frisch gebackenen einzutauchen. Inständig hatte ich gehofft auf dem Markt die ersten Aprikosen zu bekommen und ich wurde erhört, so muss das sein. Eine üppig gefüllte Kiste Marillen leuchtete mich förmlich an, dieses intensive orange mit einem kleinen roten Schimmer. Innerlich jubelte alles. Es musste gleich ein ganzes Kilo sein und der Traum vom Marillenkuchen war nun keiner mehr, er wurde heute Morgen Wirklichkeit. Da denke ich im gleichen Augenblick auch an Tirol zurück, an den ofenfrischen Marillenstrudel den ich dort vor zwei Wochen in dieser kleinen feinen Patisserie in St. Anton, gegessen habe! Die Schlagsahne hatte dem ganzen noch die Bergkrone aufgesetzt.

FÜR EINE SPRINGFORM Ø 26 CM
220 g weiche Butter
140 g brauner Zucker
1 TL Vanillezucker
1 Prise Salz
4 Eier
180 g Mehl
20 g Speisestärke
800 g Marillen

Backofen auf 180 Grad vorheizen. Springform fetten und mit Mehl ausstäuben.

Butter, Zucker, Vanillezucker und Salz mit dem Handrührgerät cremig aufschlagen. Eier verquirlen und unter die Buttermasse rühren. Mehl, Backpulver und Stärke sieben und kurz einarbeiten. Teig in die Springform geben und glattstreichen.

Marillen waschen, trocken tupfen, halbieren und mit der Hautseite nach unten auf den Teig legen. Mit etwas Vanillezucker bestreuen und im vorgeheizten Ofen 30 Minuten goldbraun backen. Springform aus dem Ofen nehmen und den Kuchen abkühlen lassen. Vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben.

Rhabarberstreusel

Nach einer gefühlt längeren Pause, war es Zeit für einen kleinen abendlichen Abstecher ans Wasser. Die Straße hinter dem Bahnhof führt direkt durch den Wald und es ist als würde man durch eine grüne Lunge fahren. So intensiv, so reichhaltig. Ein vielversprechender Anfang. Doch wie es nun mal so ist, zieht der Sommer weitaus mehr Menschen zum See, als man sich wünscht. Wummernde Musik und umherfahrende Motorboote lassen schmerzlich die Stille vermissen, die Ungestörtheit. Der nächste Halt erwies sich als ebenso wenig einladend, um zu verweilen. Letzte Chance die Wiese mit den grasenden Rindern, die Freude hielt nur dreißig Sekunden, überall Mücken. Was für ein rastloser Abend… als Trostpflaster hätte es ein Eis geben müssen, aber ich bin einfach dran vorbeigelaufen. Was war da los?! Der Trost folgt mit dem heutigen Tag, wobei er gar nicht mehr nötig ist. Leuchtende Augen und ein großes Herz für Rhabarberstreusel – mein allerliebster Lieblingskuchen. Ehe er sich klammheimlich verabschiedet, sich unauffällig bis zum nächsten Jahr davonschleicht, stehen heute alle Zeichen auf Rhabarber. So ist das, mit liebgewonnenem, einmal ins Herz geschlossen, fällt es schwer ihn gehen zu lassen – auf seine Weise einmalig und wunderbar, die Vielfältigkeit macht ihn so besonders.

HEFETEIG
325 g Mehl
2/3 Hefe
1/8 Liter Milch
75 g Butter
6 Eßlöffel Zucker
1 Ei

Mehl in eine große Schüssel sieben und in die Mitte eine Mulde drücken. Milch lauwarm erhitzen, die Hefe darin auflösen und die Mischung in die Mulde gießen. Einen Eßlöffel Zucker drüberstreuen und die Butterflöckchen auf dem Mehlrand verteilen. Abgedeckt an einem warmen Ort 25 Minuten gehen lassen. 5 Eßlöffel Zucker und das Ei zu der Hefe-Mehl-Mischung geben und alles sorgfältig miteinander verkneten. Den Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und nochmals durchkneten.

MÜRBETEIG
300 g Mehl
200 Butter
100 g Zucker
1 Ei

Mehl, Butter, Zucker und das Ei mit den Knethaken vom Handrührgerät zu einem krümmeligen Teig verarbeiten. Zu einer Kugel formen, in Frischhaltefolie schlagen und für eine Stunde in den Kühlschrank legen.

STREUSEL
125 g kalte Butter
125 g brauner Zucker
250 g Mehl
+ 8 Stangen Rhabarber + 3 EL brauner Zucker

Butter, Zucker und Mehl in eine Schüssel geben und mit den Händen zu Streuseln verarbeiten.
Rhabarber waschen, die Enden abschneiden und in feine Würfel schneiden. Die Rhabarberstücke in eine Schüssel geben, mit dem Zucker vermengen und bis zur weiteren Verarbeitung zur Seite stellen.
Mürbeteig aus dem Kühlschrank nehmen und kurz durchkneten. Beide Teigsorten zu einem Teig verarbeiten, aber nicht zu lange durchkneten damit er am Ende noch marmoriert aussieht. Ein Backblech fetten und mit dem Teig auskleiden. Rhabarber darauf verteilen und die Streusel darüber geben. Im vorgeheizten Backofen (180 Grad Umluft) ca. 45-50 Minuten backen. Blech herausnehmen und den Kuchen auskühlen lassen.