Rhabarberstreusel

Nach einer gefühlt längeren Pause, war es Zeit für einen kleinen abendlichen Abstecher ans Wasser. Die Straße hinter dem Bahnhof führt direkt durch den Wald und es ist als würde man durch eine grüne Lunge fahren. So intensiv, so reichhaltig. Ein vielversprechender Anfang. Doch wie es nun mal so ist, zieht der Sommer weitaus mehr Menschen zum See, als man sich wünscht. Wummernde Musik und umherfahrende Motorboote lassen schmerzlich die Stille vermissen, die Ungestörtheit. Der nächste Halt erwies sich als ebenso wenig einladend, um zu verweilen. Letzte Chance die Wiese mit den grasenden Rindern, die Freude hielt nur dreißig Sekunden, überall Mücken. Was für ein rastloser Abend… als Trostpflaster hätte es ein Eis geben müssen, aber ich bin einfach dran vorbeigelaufen. Was war da los?! Der Trost folgt mit dem heutigen Tag, wobei er gar nicht mehr nötig ist. Leuchtende Augen und ein großes Herz für Rhabarberstreusel – mein allerliebster Lieblingskuchen. Ehe er sich klammheimlich verabschiedet, sich unauffällig bis zum nächsten Jahr davonschleicht, stehen heute alle Zeichen auf Rhabarber. So ist das, mit liebgewonnenem, einmal ins Herz geschlossen, fällt es schwer ihn gehen zu lassen – auf seine Weise einmalig und wunderbar, die Vielfältigkeit macht ihn so besonders.

HEFETEIG
325 g Mehl
2/3 Hefe
1/8 Liter Milch
75 g Butter
6 Eßlöffel Zucker
1 Ei

Mehl in eine große Schüssel sieben und in die Mitte eine Mulde drücken. Milch lauwarm erhitzen, die Hefe darin auflösen und die Mischung in die Mulde gießen. Einen Eßlöffel Zucker drüberstreuen und die Butterflöckchen auf dem Mehlrand verteilen. Abgedeckt an einem warmen Ort 25 Minuten gehen lassen. 5 Eßlöffel Zucker und das Ei zu der Hefe-Mehl-Mischung geben und alles sorgfältig miteinander verkneten. Den Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und nochmals durchkneten.

MÜRBETEIG
300 g Mehl
200 Butter
100 g Zucker
1 Ei

Mehl, Butter, Zucker und das Ei mit den Knethaken vom Handrührgerät zu einem krümmeligen Teig verarbeiten. Zu einer Kugel formen, in Frischhaltefolie schlagen und für eine Stunde in den Kühlschrank legen.

STREUSEL
125 g kalte Butter
125 g brauner Zucker
250 g Mehl
+ 8 Stangen Rhabarber + 3 EL brauner Zucker

Butter, Zucker und Mehl in eine Schüssel geben und mit den Händen zu Streuseln verarbeiten.
Rhabarber waschen, die Enden abschneiden und in feine Würfel schneiden. Die Rhabarberstücke in eine Schüssel geben, mit dem Zucker vermengen und bis zur weiteren Verarbeitung zur Seite stellen.
Mürbeteig aus dem Kühlschrank nehmen und kurz durchkneten. Beide Teigsorten zu einem Teig verarbeiten, aber nicht zu lange durchkneten damit er am Ende noch marmoriert aussieht. Ein Backblech fetten und mit dem Teig auskleiden. Rhabarber darauf verteilen und die Streusel darüber geben. Im vorgeheizten Backofen (180 Grad Umluft) ca. 45-50 Minuten backen. Blech herausnehmen und den Kuchen auskühlen lassen.

Holunderblüten-Cheesecake

Der süße Glücklichmacher das Tages heißt Holunderblüten-Cheesecake. Ausgestattet mit einer Gartenschere machte ich vergangene Woche einen Streifzug durch den Wald, auf der Suche nach den schönsten und prächtigsten Holunderblüten die Mutter Natur derzeit zu bieten hat. Der Holunder versprüht einen so unnachahmlichen Duft und man müsste noch nicht mal in den Wald zum Ernten gehen, an vielen anderen Ecken in der Stadt stehen ihre Bäume und sorgen für Frühlingszauber. Mir reichten bereits einige Dolden, um daraus Sirup herzustellen. Auch wenn man sich im Wald freibewegen kann und im Herbst die Menschen auf Pilzsuche gehen, so fühlte ich mich beim Ernten doch etwas beobachtet, als würde ich etwas klauen, ein kleiner Holunderdieb sozusagen, der beim erwischt werden sofort rot anlaufen, geschwind weglaufen und dabei noch verschmitzt grinsen würde. Nach mehrmaligen gucken, keiner kommt von rechts, keiner kommt von links, war es dann endlich so weit. Schnipp, schnapp und die Beute landete schnurstracks in meiner Tüte. Und nun wo der Sirup einmal da ist, gönne ich mir zu einem Stück Kuchen auch gleich eine Holunderlimonade mit frischer Minze.

FÜR EINE SPRINGFORM Ø 18 CM

SIRUP
15 Holunderblüten
1 Bio-Zitrone
750 ml Wasser
400 g Zucker

Wasser und Zucker zu Sirup aufkochen. Zitrone waschen, in Scheiben schneiden und mit den Holunderblüten in ein großen und sauberes Glas schichten. Sirup dazugeben. Glas verschließen und drei Tage bei Zimmertemperatur ziehen lassen.
Durch ein feines Sieb abseihen und nochmals aufkochen. In saubere Flaschen abfüllen und kühl und dunkel lagern.

FÜR DEN BODEN
160 g Vollkornkekse
50 g Butter

FÜR DIE FÜLLUNG
200 g griechischer Joghurt
200 g Doppelrahm-Frischkäse
15 g Speisestärke
100 ml Holunderblütensirup
1 Bio-Ei

Springform Butter fetten und den Backofen auf 160 Grad vorheizen. Vollkornkekse in einen Gefriebeutel geben und mit dem Nudelholz fein zermahlen. Brösel in eine Schüssel umfüllen, Butter dazugeben und mit den Händen vermengen. Die Brösel sollten am Ende eine durchweg feuchte Konsistenz haben. Teig in der Springform verteilen, festdrücken und im vorgeheizten Ofen 10 Minuten backen. Nach dem Backen den Boden auskühlen lassen.
Backofen auf 180 Grad vorheizen. Zwei Streifen Alufolie über Kreuz legen und die Springform fest darin einwickeln, darauf achten dass die Folie nicht reißt. Springform in eine tiefe Auflaufform stellen.
Frischkäse, Joghurt, Stärke und Sirup mit dem Schneebesen glatt rühren. Das Ei nur kurz unterziehen. Die Masse auf dem Keksboden verteilen. Springform mit Alufolie bedecken, nicht zu fest, damit noch Luft entweichen kann. Die Auflaufform mit dem Cheesecake auf die unterste Schiene vom Backofen stellen, mit kochendem Wasser angießen und 60 Minuten backen.
Ofen ausschalten und den Cheesecake bei leicht geöffneter Backofentür eine Stunde abkühlen lassen. Anschließend die Folie entfernen und den Kuchen über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen.

Erdbeerkompott mit Rhabarber und Vanillesahne

Welch Idylle – während die Rinder vor sich hin grasen, verschwindet allmählich die Sonne hinter den Bäumen. Dieses grüne Fleckchen wird binnen Minuten in eine Art gelbes Meer verwandelt. Ein idealer Ort um einem Tisch und zwei Stühle auf diese wilde Wiese zu stellen, Abendbrot und das hier und jetzt zu genießen. Bisher bin ich an dieser Stelle immer vorbeigeradelt, weil der Bauzaun den Eindruck erweckte, dass es hier nicht weitergeht. Da hilft nur vom Rad absteigen und zu Fuß erkunden und es hat sich mehr als gelohnt. Habe noch ein Weilchen auf der Treppe gesessen und mich den Mücken als Nahrungsquelle angeboten.
Ich stelle mir gerade vor wie ich im Auto sitze und über eine von Bäumen gesäumte Landstraße fahre. Vielleicht lasse ich mich auch fahren und sitze einfach nur entspannt auf dem Beifahrersitz. Das Fenster ist heruntergekurbelt, die tief stehende Abendsonne taucht die Landschaft in ein warmes Licht, im Hintergrund läuft Musik und die Haare flattern wild umher. Hauptsache raus, weg von allem, Freiheit und Natur gleichermaßen genießen und wertschätzen.
Kommen wir nun zurück zum heutigen Rezept. Da steht er, mein ganz persönlicher Erdbeertraum, gekrönt mit einem Vanillesahnehäubchen. Und mir bleibt nichts anderes übrig als eine Lobhudelei loszutreten – wahnsinnig lecker, eine Sünde wert, zum Reinlegen, köstlich, ein Traumdessert, Nachschlag bitte! Zuckerschnuten kommen voll auf ihre Kosten, also ich und einige andere sicherlich auch. Es spricht sicherlich nichts dagegen mein in Windeseile geleertes Glas nochmals auszufüllen…


FÜR 4 PERSONEN

3 Stangen Rhabarber
50 g brauner Zucker
1 Vanilleschote
150 g Erdbeeren
3 TL Vanillezucker
200 ml Schlagsahne (mindestens 32 % Fett)
Amarettini

Rhabarber waschen, Enden abschneiden und in Stücke schneiden. Das ausgekratzte Vanillemark, braunen Zucker und die Rhabarberstücke in einen Topf geben und fünf Minuten ziehen lassen. Anschließend bei geringer Hitze zehn Minuten weich garen, ab und an umrühren. Auskühlen lassen. Erdbeeren waschen, entstielen und würfeln. Mit einem Teelöffel Vanillezucker vermischen und fünf Minuten ziehen lassen. Wenn der Rhabarber abgekühlt ist, behutsam die marinierten Erdbeeren unterziehen.

Rührbesen, Edelstahlschüssel und Schlagsahne 15 Minuten ins Gefrierfach stellen. Sahne und 2 TL Vanillezucker steif schlagen.

Kompott in Gläser füllen, zwei Amarettini zerbröseln und mit der Vanillesahne garnieren.